Mindestlohninitiative ja - ein Akt der Fairness

Avatar of SP Zollikofen SP Zollikofen - 09. Mai 2014 - Grosser Gemeinderat

Die Schweiz ist eines der reichsten Länder der Welt. Doch gibt es bei uns Menschen, die trotz voller Erwerbstätigkeit nicht von Ihrem Lohn leben können, geschweige wenn sie eine Familie mit Kindern haben: Das ist für unser reiches Land unanständig. Es ist nicht richtig, dass die Allgemeinheit via Steuern und Sozialhilfe hier Unternehmungsförderung betreiben muss, notabene teilweise für Unternehmungen, die beachtliche Gewinne erwirtschaften. Ich bitte die Leser des MZ einmal bei sich selber auszurechnen, was es heissen würde, mit 4000 Franken (brutto) im Monat auskommen zu müssen.
In Inseraten wird von Arbeitgebern, die meist gar nicht betroffen sind, Stimmung gemacht gegen die Initiative. Ein Gewerbetreibender kann es sich heute kaum leisten, weniger als Fr. 22.-- Stundenlohn zu bezahlen. Von der heutigen Situation profitieren Branchen, die ihre Arbeitskräfte mit Lohndumping im Ausland rekrutieren und dazu beitragen, die Zuwanderung schlecht ausgebildeter Billigarbeitskräfte weiter zu fördern. Werden sie aber arbeitslos und finden keine andere Stelle, belasten sie wiederum unsere Sozialhilfe.
Zum Argument, mit Annahme der Initiative würde das gesamte Lohnniveau angehoben: Haben Sie etwas von den hohen Managerlöhnen und Boni gemerkt? In der gleichen Logik hätten ja die tieferen Gehälter ebenfalls angehoben werden müssen um so etwas wie Lohngerechtigkeit beizubehalten: Haben Sie davon etwas bemerkt? Ist ihr Lohn aus diesem Grund gestiegen? Wohl kaum!
Zum Schluss noch eine Bemerkung zur Bedrohung der Lehrverhältnisse: Im Initiativtext heisst es wörtlich "Der Bund kann für besondere Arbeitsverhältnisse Ausnahmeregelungen erlassen". Damit ist gewährleistet, dass das Parlament Ausnahmen für Lehrlinge, Praktikanten, ehrenamtliche Tätigkeiten und spezielle Situationen (Erntehelfer) festlegen kann, was durchaus vernünftig ist.
Lassen Sie sich von der Kampagne der Angstmacherei nicht beeindrucken. Lassen wir die Ideologie beiseite, stimmen wir aus ökonomischer Vernunft und aus Fairness gegenüber unseren schwächsten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ja! Zwingen wir die rückständigen Firmen, dem guten Beispiel von Aldi, Lidl, H & M, und weiteren, die sich inzwischen zu einem Monatslohn von Fr. 4000 entschieden haben zu folgen!

Rudolf Gerber, SP
Mitglied GGR

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