Weniger Markt – mehr Solidarität mit den Kranken

Avatar of SP Zollikofen SP Zollikofen - 02. September 2014 - Grosser Gemeinderat

Am 28. September werden wir über die Initiative für eine Einheitskrankenkasse abstimmen. Ein wichtiger Entscheid, der uns alle betrifft. Es geht um die Grundsatzfrage, ob wir die Grundversicherung weiterhin dem Wettbewerb und freien Markt überlassen wollen. Die Gegner der Initiative für eine Einheitskasse wehren sich mit dem Slogan: „Sie sind kein Einheitskunde.“ Richtig, sind Sie gesund, eher jung, haben keine Risiken und verfügen Sie über die nötigen finanziellen Mittel haben sie selbstverständlich die Wahl und werden von den Krankenkassen (auch mit den unsäglichen Telefonaktionen) umworben. Sind Sie älter, haben Sie eine chronische Krankheit oder benötigen dauernd Medikamente, ja dann ist mit der Wahlfreitheit schnell mal Schluss! Wie sagt es der Hausarzt Dr. René Haldimann  so trefflich: „Die Kassen machen Jagd auf gute Risiken und versuchen gleichzeitig, die schlechten Risiken, also die Alten und Kranken loszuwerden.“ Sie können für das heutige System mit Wettbewerb und Markt eintreten, müssen dann aber auch akzeptieren, dass sich die Marktteilnehmer/innen marktgerecht verhalten. Die Krankenkassen müssen, wollen sie überleben, mit Ihnen als Kunde grundsätzlich Geld verdienen und Gewinn machen. Sie brauchen deshalb möglichst hohe Einnahmen (sprich Prämien, was sich diesen Herbst wieder eindrücklich zeigt: im Kanton Bern zahlen wir 2015  bis 10 % höhere Prämien!) und möglichst tiefe Ausgaben (sprich: Sparen bei den Kranken, in Spitälern). Klarstellen möchte ich: Es ist nicht anzunehmen, dass die Gesundheitskosten in absehbarer Zeit – mit oder ohne Einheitskasse – sinken werden. Im Gegenteil: Dank des medizinischen Fortschrittes und der demographischen Entwicklung werden die Kosten weiter steigen (Klammer: Warum ist das so schlimm: Bahn- und Autofahren wird teurer, das Bildungswesen kostet mehr, kaum etwas wird billiger; aber gerade bei der Gesundheit soll gespart werden!). So wie wir die Bahnen, die Schulen und den Strassenbau nicht dem freien Markt überlassen, sollten wir das Gesundheitswesen wieder stärker staatlich führen. Aerzte und Pflegepersonal – sie sind für Ihre Gesundheit im Krankheitsfall verantwortlich - werden zulasten der Krankenkassenverwaltungen wieder mehr Einfluss erhalten. Mit der Einheitskasse wird die Politik, d.h. werden Sie als Stimmbürger wieder mehr zu sagen haben. Sie werden mitbestimmen können, wie die Kosten im Gesundheitswesen verteilt werden, eher über ständige Prämienerhöhungen oder solidarisch durch höhere Beiträge der öffentlichen Hand. Noch eine Bemerkung zum Stichwort „Monopol einer Einheitskasse“: Ich bin überzeugt, auch ohne Einheitskasse wird es in 10 bis 20 Jahren nur noch 3 bis 5 grosse Kassen geben (plus einige wenige kleinere), die dann privatwirtschaftlich ohne staatliche Kontrolle noch mächtiger sein werden. Da ist mir eine vom Stimmbürger politisch kontrollierte Einheitskasse doch lieber – diese dürfte auch solidarischer mit den Kranken sein. Liebe Zollikoferinnen und Zollikofer, wenn Sie nicht nur die Kosten sondern den Nutzen für die Kranken in den Mittelpunkt stellen und keinen Wettbewerb um Jugendliche und Gesunde wünschen, dann stimmen Sie für die Einheitskasse. Früher waren Krankenkassen soziale Einrichtungen im Interesse des Volkswohles, heute sind es profitorientierte Unternehmungen mit hohen Ausgaben für Werbung und Marktauftritt! Rudolf Gerber SP Mitglied GGR

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