Mehr Transparenz, mehr Effizienz – JA zur Einheitskasse!

Avatar of SP Zollikofen SP Zollikofen - 15. September 2014 - Grosser Gemeinderat

Am 28. September werden wir über die Initiative für eine Einheitskrankenkasse abstimmen. Ein wichtiger Entscheid, der uns alle betrifft.
Seit dem 1. Januar 1996 ist die Grundversicherung für alle Personen mit Wohnsitz in der Schweiz obligatorisch. Die Leistungen der Grundversicherung sind durch das Krankenversicherungsgesetz (KVG) genau festgelegt. Sie sind bei allen Krankenkassen gleich. Die Krankenkassen sind verpflichtet, jeden Antragssteller, der den Beitritt wünscht, in ihre Grundversicherung aufzunehmen.
Trotz Aufnahmepflicht und vorgegebener Leistung leisten sich über 60 Krankenkassen einen verbissenen Wettbewerb. In diesem Wettbewerb geht es vor allem darum, durch operative und administrative Excellenz Kostenvorteile gegenüber den Mitstreitern zu generieren und durch Lockangebote attraktive Kunden zu gewinnen und „schlechte“ Risiken (ältere Menschen und Frauen) zu vermeiden.
Die Ergebnisse des „freien“ Marktes im Gesundheitswesen mussten bereits in den 1990er Jahren durch einen Risikoausgleich zwischen den Krankenkassen korrigiert werden. Schon damals musste man erkennen, dass Wettbewerb nicht in allen Bereichen des Lebens positive Effekte mit sich bringt. Gerade im Gesundheitswesen trägt der Wettbewerb vor allem zur Risikoselektion und letztendlich zur Entsolidarisierung der Gesellschaft bei.
Die gesetzliche Grundversicherung hat dem Menschen zu dienen. Sie soll die Menschen bei Krankheit, Unfall oder Mutterschaft durch wirksame, zweckmässige und wirtschaftliche Leistungen absichern. Das Mantra des Wettbewerbs hat diesen Zweck nicht erreicht. Um bei gegebener demografischer Entwicklung, steigender medizinischer und technischer Möglichkeiten die Gesundheitskosten einigermassen im Anstieg einzudämmen, brauchen wir bei der Grundversicherung nicht mehr Wettbewerb sondern mehr Transparenz und eine höhere Effizienz. Dass dies mit über 60 konkurrierenden, auf den eigenen wirtschaftlichen Vorteil bedachten Anbietern schwer zu erreichen ist, liegt auf der Hand.
Aber aufgepasst: Auch eine Einheitskrankenkasse löst nicht alle Probleme. So muss zum Beispiel die (Dienst-)Leistungsqualität einer Einheitskasse sichergestellt werden können (bisher bleibt für Unzufriedene primär der Krankenkassenwechsel). Gleichzeitig muss auch ein fairer Weg gefunden werden, wie in einem Einheitssystem je nach Kanton unterschiedliche Kostenstrukturen abgebildet werden können. Die Einheitsversicherung hat also noch einige Hürden zu meistern. Sie bleibt aber die beste Garantin für eine hohe Versorgungssicherheit und qualitativ hochstehende, bezahlbare und vor allem patientengerechte Leistungen.
PS – Machen wir uns nichts vor. Die Höhe der Preise wird weder durch die Zahl konkurrierender Krankenkassen noch durch die Einheitskasse massgeblich beeinflusst werden. Wenn wir die Kosten im Gesundheitswesen in den Griff kriegen wollen, stehen vier Lösungen offen: 1. Mehr Prävention zur Vermeidung von Krankheiten und Unfällen; 2. Mehr Anreize von zur Reduktion unnötiger Behandlungen und Eingriffe; 3. Mehr Transparenz und Zusammenarbeit unter den Akteuren im Gesundheitswesen (Ärzte, Spitäler, Rehas, Apotheken, Spitex, etc.); und 4. moralisch und ethisch am schwierigsten,  eine bewusste Beschränkung der medizinischer/ pflegerischer Massnahmen.

Philip Steiner SP
Mitglied GGR

Die Kommentarfunktion ist für diesen Artikel deaktiviert.

0 Kommentare